Geschichte

Das Reha-Gelände ist über 100 Jahre alt und wurde im Jahr 1905 als „Königlich-Sächsische Landeserziehungsanstalt für Blinde und Schwachsinnige“ (so der damalige Sprachgebrauch) feierlich eingeweiht. Es war also schon immer eine Einrichtung für Menschen mit Seh- und kognitiven Einschränkungen. Während es mit der Eröffnung eine Sondereinrichtung war, in welcher die Bewohner*innen weit vor den Toren der Stadt vom Rest der Gesellschaft abgeschottet wurden, ist es heute eine Einrichtung mit dem Fokus auf inklusiver Bildung und Unterstützung. Heute blicken wir zurück auf den Grund- und damit bedeutsamen Meilenstein und feiern den Fortschritt, den wir seither in Richtung einer vielfältigen und integrativen Gesellschaft gemacht haben.

Die Häuser wurden so nummeriert, wie sie gebaut wurden; Das heißt zuerst wurden die Gebäude auf der Mittelachse und an der Flemmingstraße fertig gestellt. Das Gelände war für die damalige Zeit hochmodern. Im Heizhaus (neben dem großen Parkplatz) wurde für Elektrizität und Warmwasser für das gesamte Gelände gesorgt. Die Rohre führten durch Kollektorgänge, also eine Art unterirdische Tunnel, in jedes Haus hinein. Das Anstaltsgut sorgte für die Ernährung der „Zöglinge“, so wurden die Schüler damals genannt. Nach der schulischen Ausbildung folgte die Berufsausbildung und später Anstellung. Einige der Auszubildenden oder Angestellten arbeiteten auf den Feldern, die rundherum bestellt wurden. Andere wiederum waren in der Wäscherei, Seilerei zur Herstellung von Seilen oder in anderen handwerklichen Bereichen tätig beziehungsweise lernten in der Schule. Es gab eine Blindenabteilung, wo typische Berufe gelehrt wurden, die es heute nicht mehr in dieser Form gibt. Dazu gehören zum Beispiel Klavierstimmer*in, Korbflechter*in oder Bürstenmacher*in. Dafür kamen neue Berufe dazu, wie Physiotherapeut*in, Masseur*in, Büro- und Berufe in der IT-Branche.

Auch das Wohnen - die Zöglinge lebten auf dem Gelände - hat sich in den letzten 100 Jahren stark verändert. Von anfänglichen Schlafsälen mit bis zu 20 Betten sowie Gemeinschaftsbädern und -duschen im Badehaus, gibt es jetzt fast nur noch Einzelzimmer mit angegliedertem Bad in den Internaten.

Die Jahre 1933 bis 1945 waren ein sehr dunkles Kapitel in der gesamten Geschichte und so auch in der Einrichtung. Einige Zöglinge wurden Opfer der Zwangssterilisation und Euthanasie im Nationalsozialismus. Das Denkmal "GEDENKEN" (Eröffnung 2007 von Gregor Torsten Kozik und Frank Maibier) neben Haus 40 soll daran erinnern. Mehr dazu ist im Projekt Unantastbar Mensch - Demokratie braucht Inklusion zu lesen.

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